Montag, 16. Juli 2012

Von Über-Büchern

Ja, es gibt sie - Über-Bücher. Diese wunderschönen Romane, die man eigentlich nur durch Zufall in die Finger bekommt und dann auch nur liest, weil man ohnehin gerade nichts besseres zu tun hat - und die einen dann vollkommen aus den Socken hauen. Leider gibt es nicht viele davon und meistens ist man nach dem Lesen eines solchen Über-Buches erstmal von allen weiteren Büchern enttäuscht, weil nichts - selbst wenn es sich im selben Genre bewegt - auch nur annährend heranreicht.
Das allererste Über-Buch, das ich gelesen habe, war wohl damals Harry Potter. Es war einmal ein langer Sommer (wann hat man nach der 12. Klasse denn nochmal 6 Wochen am Stück frei ohne krank oder arbeitslos zu sein?!), zwei nette Freunde, die die Buchreihe gelesen hatten (bzw zu diesem Zeitpunkt bis zum aktuellen dritten Band verfolgt). Die beiden legten mir in diesem Sommer mehrfach ans Herz, mich doch mal an Harry Potter heranzuwagen, weil es eine wirklich schön erzählte Geschichte wäre und vor allem sollte ich mich nicht von dem herrschenden Harry Potter-Hype abschrecken lassen. Genau der hatte mich bislang auch davon abgehalten mich weiter mit dem Thema “Zauberschüler” zu befassen.
Es muss dann wohl doch extrem langweilig gewesen sein, sodass ich letztendlich einen Büchereigutschein opferte und mir “Harry Potter und der Stein der Weisen” leistete … und ihn innerhalb von zwei Tagen durchhatte. Glücklicherweise gab es zu diesem Zeitpunkt schon Fortsetzungsbände und die letzten Büchereigutscheine gingen für Band Zwei und Drei drauf. Bei dieser Reihe war es vermutlich die Mischung aus Märchenhaftem, gepaart mit dem recht lockeren entspannten Erzählstil von J.K. Rowling, die mich so gefesselt haben - ab “Der Gefangene von Askaban” war ich dann allerdings auch Fan von Sirius Black. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann auch zu denjenigen gehört, die die neuen Bände bis zum Finale pünktlich am Erscheinungstag in irgendeiner Art und Weise erstanden haben.
Danach hat mich lange kein Buch mehr richtig fesseln können. Nicht, dass es danach keine guten Bücher mehr gegeben hätte oder ich nur noch miesen Lesestoff gehabt hätte. Aber dieses Gefühl, das ich bei den Potter-Büchern hatte “Entweder sofort wieder von vorne mit Lesen anfangen oder einen Folgeband lesen, damit die Geschichte weitergeht” war einfach nicht dabei. Und Buchserien habe ich wirklich genug begonnen. Allen hat aber irgendwie die gewisse Individualität gefehlt.
Über die Phantom der Oper-Thematik bin ich dann auf ein Hörbuch gestolpert und darüber dann an das Buch gekommen: “Gargoyle” von Andrew Davidson. Das war wieder ein Buch, das ich nach dem letzten Satz am Liebsten sofort wieder von vorne begonnen hätte. Zig Geschichten in einer einzigen, ein extrem sarkastischer Protagonist, der bis zum Ende namenlos bleibt, Fantasy, History - der Mix stimmte einfach. Dazu werde ich mich aber sicher noch einmal in einem seperaten Beitrag äußern, denn “Gargoyle” ist bislang meine absolute Nummer 1 im Bücherschrank. Und danach herrschte wieder die große Warterei.
Dann kamen Anfang des Jahres “Die Tribute von Panem”. Wieder so eine Langeweile-Aktion. Inzwischen war ich seit wiederum einem halben Jahr Besitzerin eines wunderschönen E-Book-Readers, da mein Freund beschlossen hatte, bei meinem Buchkonsum keine Umzugskartons mit meinen Büchern zu tragen und meinte, der Amazon Kindle wäre einfach leichter mitzunehmen, egal wieviele Bücher drauf wären. Anfangs hatte ich mich den Dingern verweigert, nach zwei Tagen bzw Abenden im Bett mit ansonsten schwerem Lesestoff, war ich in dieses Gerät verliebt. Augen entspannt, Arme entlastet, alles prima.
Die Panem-Reihe war wieder etwas, dem ich mich aufgrund des herrschenden Hypes ganz gern verschließen wollte, obwohl ich immer wieder von anderen, die meinen Buchgeschmack in etwa teilen und denen ich in der Hinsicht vertraue geraten haben, doch mal einen Blick darauf zu werfen. Mir war wohl wieder sehr langweilig …
Band Eins “Tödliche Spiele” habe ich innerhalb von ein-zwei Tagen verschlungen, in jeder freien Minute und da die Reihe glücklicherweise schon abgeschlossen war, konnte ich auch gleich mit den beiden anderen Bänden weitermachen. Wunderschöne Charakterentwicklung, Dystopie in einer interessanten Form, Ich-Erzählerin im Präsens (funktioniert meiner Meinung nach am besten in solchen Romanen bis zu Romanen, die in der Gegenwart spielen). Außerdem hat mich der Film “The Cube” auf perverse Art und Weise fasziniert und gerade im zweiten Band ist doch sehr viel “cubiges” enthalten mit der Arena und ihren Fallen.
Seit ich diese Reihe beendet habe, warte ich wieder ein neue Über-Bücher, die mich absolut überraschen und mitreißen. Ich fürchte, es wird wieder sehr lange dauern - über sowas muss man wohl zufällig stolpern oder seine Grundsätze über Bord werfen und mit dem Strom schwimmen, um solche Schätzchen nicht zu übersehen. Und leider ist vieles, was auf den Wellen dieser Bücher mitschwimmen will total Murks oder ein extrem unglücklicher Abklatsch. Die Erfahrung habe ich heute wieder gemacht. Doch dazu demnächst mehr.

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