Dienstag, 3. Juli 2012

Das Hörbuch und ich - eine kleine Vorgeschichte

hoerbuch.jpg Ich gebe es zu, ich liebe Hörbücher und Hörspiele. Begonnen hat das alles irgendwann auf einer sehr langen Fahrt in den Frankreichurlaub. Als Beifahrer hatte ich dank dem Navigationsgerät nicht besonders viel zu tun, außerdem war ich ganz froh darüber nicht so oft in die Karte sehen zu müssen, weil mir dabei sowieso grundsätzlich schlecht wird. Noch ein Grund, der gegen das Bücherlesen beim Autofahren spricht. Bei 15 Stunden Fahrt eine echte Herausforderung, wenn man nicht immer den Musikgeschmack des Fahrers teilt. (Familieninterne Absprache: Der Fahrer bestimmt die Musik, der Beifahrer muss die CDs wechseln.)
Langer Reder kurzer Sinn, in diesem Urlaub habe ich mich erstmals ausgeklinkt.
Wenn ich mich recht entsinne war das auch der erste Ausflug für meinen alten Ipod Nano, den ich damals neu für mich - gebraucht für den Vorbesitzer - erstanden hatte. Eine der schönsten Funktionen bei Ipods ist meiner Meinung nach das eigene Hörbuchformat, das meine Hörbücher eben nicht mit der anderen Musik vermischt und ich so nicht beim Musikhören plötzlich irgendwelche Buchkapitel untergemischt bekomme.
Nachdem ich diesen Urlaub mit Marc Levy begonnen hatte und feststellen konnte, dass Matthias Koeberlin ein für mich sehr angenehmer Vorleser ist (Erzähltempo sowie Stimme), war ich froh, dass ich noch ein paar andere Hörbücher mitgenommen hatte, die mich durch den Urlaub bringen sollten.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Hörbüchern waren nämlich leider nicht besonders prickelnd. Der erste Kontakt waren die Harry Potter-Bände, gelesen von Rufus Beck. Ganz ehrlich, ich finde den Mann toll und ich mag seine Stimme. Aber was er mit J.K.Rowlings Geschichte veranstaltet, geht meiner Meinung nach gar nicht. Da werden Charakteren zwanghaft Akzente oder sprachliche Eigenheiten aufgezwungen, die in der Buchvorlage nicht erwähnt werden. Und obwohl ich zwangsweise “Der Stein der Weisen” mitgehört habe, weil ihn Kolleginnen in der Ausbildung nebebei laufen hatten, bin ich nicht besonders traurig, dass ich die anderen Bände nicht von ihm kenne. Snape mit osteuropäischem (?) Akzent (woher bitteschön soll ein Engländer denn den haben?!) hätte ich keine 7 Bücher durchgehalten. In dem Zusammenhang kann ich dann die neue Lesung von Felix von Manteuffel empfehlen, der sowohl vom Tempo angenehm liest, als auch mit sprachlichen Eigenarten etwas sparsamer umgeht.
Meine zweite schlechte Hörbucherfahrung bis zu besagtem Frankreichurlaub war “Lady Chatterley” von D. H. Lawrence, gelesen von Hannes Jaennicke. Autsch. Nach Stunden ist der Herr jedenfalls nicht für die Lesung bezahlt worden, so schnell wie er das alles runterrattert. Satzzeichen dienen im Text offenbar nur der Ästhetik und sind kein Grund, wenigstens einmal Luft zu holen, um sich selbst oder dem Zuhörer Zeit zu geben das Gehörte zu verdauen. Die Handlung, die an sich ja mittlerweile wohl Synonym für schlechte Softpornos ist, ist interessanterweise gar nicht so schlecht gewesen und definitiv mehr als das, worauf die Filmindustrie es wohl reduziert hat.
Jedenfalls hat Matthias Koeberlin mich in diesem Urlaub dann eines Besseren belehrt und mir gezeigt, dass es auch richtig gute Hörbuch-Sprecher gibt.
Der absolute Wendepunkt kam dann aber mit dem nächsten Hörbuch. “Das Kind” von Sebastian Fitzek. Da habe ich dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen habe ich einen genialen Autor entdeckt, der heute neben Neil Gaiman mein Lieblingsautor ist (wobei beide ja absolut unterschiedliche Genres vertreten und um Grunde nicht vergleichbar sind) - zum anderen hatte ich den ersten Kontakt mit Simon Jäger als Sprecher. Glücklicherweise hatte ich ziemlich schnell raus, dass ich seine Stimme schon von Synchronfassungen der Filme mit Heath Ledger und Matt Damon kannte, das sparte einiges Kopfzerbrechen und ich konnte die Handlung aufsaugen.
Simon Jäger ist für mich einer der besten Sprecher für sämtliche Genres, weil er einfach immer irgendwie den Spagat zwischen dem Charakterisieren der Handenden durch die Stimme und dem Lesen schafft, also alles immer ohne wie Rufus Beck bei Harry Potter in maßlose Übertreibung abzugleiten. Dazu sind Tempo und Lautstärke immer angenehm, sollte ich doch tatsächlich irgendwann man bei einem Hörbuch wegnicken, wache ich nicht mit einem halben Herzinfarkt auf, weil mir plötzlich jemand ins Ohr brüllt. Für Fitzeks Bücher, die größtenteils in Berlin spielen, zumindest aber immer Berliner Charaktere aufweisen, eignet sich natürlich jemand, der wirklich gut berlinern kann umso besser. Also im Grunde kann ich mir bei Hörbüchern, auf denen “gelesen von Simon Jäger” draufsteht schonmal sicher sein, dass es nicht am Sprecher liegt, wenn mir das Buch nicht gefällt. (Inzwischen habe ich festgestellt, dass die Bücher von John Katzenbach nicht mein Fall sind und lasse trotz Jäger die Finger davon).
Frauen als Hörbuchleser sind für mich auch ein schwieriger Fall, eben weil die Stimmen doch dazu neigen an bestimmten Stellen schrill zu werden, egal ob gewollt oder nicht.
Wenn ich mich da entscheiden müsste wäre vermutlich Eva Mattes meine liebste Sprecherin.
In diesem Sommer habe ich definitiv für mich das Hörbuchhören entdeckt - sowohl als Beifahrerin, als auch abends im Bett, wenn ich einfach nicht einschlafen kann, und meine bessere Hälfte nicht wecken will, weil ich das Licht anschalte. Kopfhörer rein, niedrigste Lautstärkestufe, angenehme Stimme und möglichst keine extrem spannende Geschichte und der Schlaf kommt innerhalb von Minuten.
Eins noch zu Rufus Becks Verteidigung - “Die unendliche Geschichte” von Michael Ende liest er wiederum toll, ich weiß auch nicht warum sein Harry Potter und ich keine Freunde werden (oder ich seinen Snape einfach so grausig finde).

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